08.04.2022

Dankeschönwochenende in Barsinghausen

Autor / Quelle: H. Weiland

 


„Sie bilden die Lebensader des deutschen Fußballs“
Dankeschönwochenende in Barsinghausen: DFB-Ehrenamtspreisträger*innen
aus Niedersachsen und ihre Partnerinnen und Partner sehen Zweitligafußball
in Hannover - Überraschungsgast ist Schiedsrichterin Dr. Riem Hussein

„Sie und Ihre Partnerinnen und Partner sind es, die die Lebensader des deutschen
Fußballs bilden und deren Verdienst es ist, dass der Fußball in Deutschland in den
zurückliegenden zwei Jahren der Pandemie deutlich besser durch die Krise
gekommen ist als erwartet.“ – Nach zweijähriger Corona-Zwangspause konnte NFV-
Präsident Günter Distelrath jetzt 27 engagierte Männer und Frauen im Rahmen der
DFB-Aktion Ehrenamt zum traditionellen Dankeschön-Wochenende im Sporthotel
Fuchsbachtal in Barsinghausen begrüßen.
Für den NFV-Präsidenten sind das ehrenamtliche Engagement ganz allgemein sowie
seine Förderung und Stärkung im Speziellen „eine Herzensangelegenheit.“
Distelrath: „Deutlich hat sich gezeigt: Je stärker ein Verein ehrenamtlich organisiert
ist, desto immuner war und ist er gegen die Auswirkungen von Corona. Sie sind es,
die ihre Klubs durch die Pandemie führen, die zwei Lockdowns getrotzt,
Hygienekonzepte umgesetzt und den Re-Start des Fußballs im vergangenen
Sommer erfolgreich gestemmt haben. Darum fällt das Danke ans Ehrenamt, das wir
in Niedersachsen seit 1998 mit diesem Wochenende aussprechen, in diesem Jahr
noch etwas eindringlicher und nachdrücklicher aus.“
Etwa 1,6 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich für den
Fußball. Bereits 1997 - also vor nunmehr 25 Jahren - hat der DFB seine
Ehrenamtsaktion zur Stärkung freiwilliger Vereinsmitarbeit ins Leben gerufen.
Bundesweit werden seitdem jährlich rund 400 Männer und Frauen mit dem
Ehrenamtspreis ausgezeichnet, die mit großem Engagement freiwilligen Dienst in
ihren Vereinen leisten.
In Niedersachsen waren es in diesem Jahr 32 verdiente Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter, denen der DFB mit der Verleihung des Ehrenamtspreises 2021 für ihre
geleistete Arbeit ein besonderes Dankeschön aussprach. Dem Dank des DFB an die
niedersächsischen DFB-Ehrenamtspreisträger*innen schloss sich der NFV mit der
Ausrichtung eines Erlebniswochenendes am ersten Aprilwochenende an. Diese
inzwischen lieb gewonnene Tradition, zu der der Verband auch die Partnerinnen und
Partner der Ehrenamtler*innen einlädt, wurde 1998 begründet, als vom 1. bis 3. Mai
das erste Dankeschön-Wochenende für die Preisträger von 1997 in Barsinghausen
ausgerichtet wurde.
Insgesamt 27 Personen, vier Frauen und 23 Männer, wurden geehrt. Dabei stellten
auch die Altkreise Osnabrück-Land und Osnabrück-Stadt, die im vergangenen Jahr
zum Kreis Osnabrück fusionierten, je einen Ehrenamtspreisträger.

Aus dem NFV Ostfriesland nahm Kreisehrenamtssieger Erwin Bohlen
vom SV Großefehn teil.


Nach der Ehrung durch Günter Distelrath, Vizepräsident Christian Röhling und den
Landesehrenamtsbeauftragten Hermann Wilkens sowie die Ehrenamtskoordinatoren
der Bezirke Gerhard Dix (Braunschweig), Eberhard Wacker (Hannover) und Heiko
Wiehn (Lüneburg) wartete ein attraktives Programm auf die Gäste des NFV. Die
Ehrenamtskommission des NFV unter Leitung von Wilkens hatte mit tatkräftiger
hauptamtlicher Unterstützung durch NFV-Mitarbeiterin Andrea Hoffmeister für die
dreitägige Dankeschön-Veranstaltung wieder einmal viele Highlights vorbereitet.
Neben Zweitliga-Fußball stand die Besichtigung der 96-Akademie, dem
Nachwuchsleistungszentrum von Hannover 96, auf dem Programm. Hier empfing
Akademie-Leiter Michael Tarnat die Gruppe. In der HDI-Arena schließlich wurden die
Gäste aus Barsinghausen vor dem Spiel zwischen Hannover 96 und Jahn
Regensburg (1:1) auch durch 96-Präsident Martin Kind begrüßt, der die Wichtigkeit
des Ehrenamtes für den deutschen Fußball betonte.
Am Abschlusstag, dem Sonntagvormittag, schließlich gab Dr. Riem Hussein als
Überraschungsgast in einer Talkrunde mit Günter Distelrath und Hermann Wilkens
spannende Einblicke in ihre inzwischen 17-jährige beeindruckende Karriere als DFB-
Schiedsrichterin. Die sympathische Apothekerin, die seit 2009 FIFA-Schiedsrichterin
und in Deutschland bis in die 3. Liga der Männer („es ist für mich eine ganz große
Ehre dabei zu sein“) aufgestiegen ist, zollte den versammelten Ehrenamtlern
höchsten Respekt: „Ich habe Hochachtung vor dem, was Ihr leistet. Ohne Euch
würde es keinen regulären Spielbetrieb geben“, so die 41-Jährige.
Deutschlands Schiedsrichterin des Jahres von 2013 und 2020, selbst aktive
Fußballerin und Stürmerin beim Zweitligisten MTV Wolfenbüttel bis 2005, ist
überzeugt, dass ein Schiedsrichter vor seiner Karriere als Unparteiischer Fußball
gespielt haben sollte. „Ich persönlich hätte mir das Pfeifen sonst auch gar nicht
zugetraut.“
Nicht anfreunden mag sich die Bad Harzburgerin mit der Idee, dass Frauen und
Männer auf unterer Amateurebene in gemischten Teams gemeinsam Fußball
spielen. „Die physischen Unterschiede sind zu groß. Ich habe es als Fußballerin nicht
gemocht, gegen Männer zu spielen. Selbst ein vergleichsweise unfitter Mann ist noch
schneller als ich. Das macht mir persönlich keinen Spaß, aber ich möchte hier
wirklich nur für mich sprechen“, so Hussein.
Riem Hussein, die als Sechsjährige beim BSV Bad Harzburg, mit dem Fußballspielen
begann, sieht deutliche Unterschiede auch bei der Leitung von Frauen- und
Männerspielen: „Bei den Frauen gibt es weniger Theatralik und sehr wenig
Rudelbildungen. Die Spielerinnen akzeptieren viel eher Entscheidungen, während
Männer versuchen, auszutesten, wie weit sie gehen können.“
Die erfahrene internationale Schiedsrichterin und WM-Teilnehmerin von 2019
schilderte den Ablauf rund um ein Champions League Spiel. „Abgesehen von der
eigentlichen Spielleitung ist die meiste Zeit ruhig, angenehm und entspannend, weil
wir als Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter sehr zuvorkommend behandelt
werden.“
Zur Bemerkung aus dem Publikum, dass bei den Profis falsche Einwürfe viel zu
selten geahndet würden, entgegnete sie: „Über allem steht, dass wir
Schiedsrichter*innen die wichtigen Entscheidungen richtig machen möchten. Aber
natürlich: Die Regelauslegung sollte von den Profis bis zu den Amateuren
durchgängig sein.“
Mit ihren Zuhörern blickte Riem Hussein in den Kölner Keller und bekannte sich als
Fan der modernen Technik. „Der Einsatz der vielen Kameras bei Fußballspielen gibt
mir positive Energie. Bei kniffeligen Entscheidungen belegen sie, wenn ich richtig
gelegen habe, wie gut ich entschieden habe.“
Natürlich kommt auch die viel diskutierte Handspielthematik zur Sprache. „Beim
Handspiel gibt es einen gewissen Interpretationsspielraum. Solange dieser existiert,
wird es unterschiedliche Auslegungen und Diskussionen geben. Es kann nur eine
Schwarz-Weiß-Regel dazu führen, dass nicht mehr diskutiert wird, ganz nach dem
Motto: ist der Ball an der Hand, wird sofort unterbrochen“, so die Unparteiische.
90 Minuten lang fesselte Dr. Riem Hussein ihre Zuhörerinnen und Zuhörer, ehe der
Abpfiff der sehr kurzweiligen fast 90-minütigen Talkrunde mit Günter Distelrath und
Hermann Wilkens erfolgte. Im Publikum war man sich einig: Das war der Höhepunkt
einer tollen Dankeschön-Veranstaltung.

 

 

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Seite zuletzt aktualisiert am: 20.05.2022